Faszination Gehirn

gehirnUnser Gehirn wiegt im Schnitt 1.400 Gramm. Im Vergleich zu unserem gesamten Körpergewicht ist das ein minimaler Anteil. Trotzdem koordiniert das Gehirn fast sämtliche wichtigen Funktionen unseres Körpers, verarbeitet die Eindrücke unserer Sinne und ist verantwortlich für unser Denken und unsere Emotionen.

Dabei arbeiten etwa 100 Milliarden Nervenzellen im Gehirn, die sogenannten Neuronen. Sie kommunizieren ununterbrochen miteinander und tauschen Informationen aus.  Bei einem erwachsenen Menschen beträgt die Länge aller Nervenbahnen etwa 5,8 Millionen Kilometer.   Das entspricht dem 145-fachen Erdumfang. Dann wundert es nicht mehr, dass unser Gehirn so unglaubliche Leistungen vollbringen kann.

Unser Gehirn besteht aus zwei Hemisphären also zwei Gehirnhälften, die ganz unterschiedlich funktionieren.  Diese Art der Hemisphärenspezialisierung gibt es nur bei uns  Menschen. Die Frage welche Gehirnhälfte bei dir dominant ist, entscheidet darüber, wie du am besten lernst und deine Konzentration steigern kannst.

Die linke Gehirnhälfte

Ohr, hören… ist wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge für das logische Denken verantwortlich. Eine stark ausgeprägte linke Hemisphäre hilft uns beispielsweise bei der Lösung mathematischer und physikalischer Aufgaben und steuert viele Sprachprozesse. Die linke Gehirnhälfte ermöglicht die motorische Sprachumsetzung, bei der viele tausend kleiner Muskelpartien aktiviert werden müssen. Abstrakte Formulierungen wie z.B. Liebe oder Glück werden über die linke Gehirnhälfte verstanden. Die linke Hemisphäre arbeitet nach dem sogenannten Sequenzprinzip, d.h. die Informationen werden analysiert und in eine bestimmte Reihenfolge gebracht, also geordnet.  Diese Gehirnseite funktioniert auditiv  – arbeitet also über das Gehör.

Die rechte Gehirnhälfte

Auge, sehen… steht für Kreativität, Emotionen, Körperbewusstsein und räumliches Denken. Während die linke Hemisphäre nach dem Sequenzprinzip arbeitet, funktioniert die rechte Seite nach dem Simultanprinzip. Die Informationen werden dabei also nicht in eine Reihenfolge gebracht, sondern es entsteht ein Gesamtbild. Wir sehen die Informationen also im Zusammenhang. Wenn du zum Beispiel eine Blume siehst, denkst du nicht da ist eine Blüte, ein Stängel, Blätter, es riecht gut – also ist es eine Blume. Dank der Fähigkeiten deiner rechten Gehirnhälfte siehst du die Blume und weißt sofort: das ist eine Blume. Du merkst,  die rechte Gehirnhälfte arbeitet visuell. 

Damit das ganze Thema etwas übersichtlicher wird, habe ich dir einige Funktionen der beiden Gehirnhälften noch einmal in einer Tabelle zusammengefasst:

 

Linke Gehirnhälfte Rechte Gehirnhälfte
Logisches Denken Emotionen und Fantasie
Analysieren, kombinieren und ordnen Erkennen von Mustern und Bildern
Beachten von Anweisungen und Regeln Konzepte entwickeln – intuitiv und planlos
Spontanes Sprechen und Schreiben Erkennen der Sprachmelodie und Lesen zwischen den Zeilen


test, testenTest: Welche Seite ist ausgeprägter?

Vielleicht fragst du dich jetzt, warum es wichtig ist, zu wissen, welche Seite dominanter ist. Bei der Erklärung zu den beiden Hemisphären war die Rede von auditiv und visuell. Erinnerst du dich?

Das bedeutet, wenn deine linke Gehirnhälfte ausgeprägter ist, lernst du besser über das Gehör, bist also ein auditiver Lerntyp. Bei einer dominanteren rechten Hemisphäre ist es für dich leichter über das Auge, du bist ein visueller Lerntyp. Damit du also erfolgreich und nachhaltig lernen kannst, ist es sinnvoll zu wissen, welche Sinne du ansprechen solltest.

Es gibt eine ganz einfache Möglichkeit, um zu testen, welche Seite bei dir dominanter ist. Dazu brauchst du eine Person, die dir hilft und zwei Listen mit jeweils 18 Wörtern zusammenstellt. Die erste Liste lässt du dir jetzt vorlesen und versuchst anschließend, dich an möglichst viele Wörter zu erinnern. Die zweite Liste liest du selbst und versuchst dann die Wörter aus dem Gedächtnis wiederzugeben.

Was hat bei dir denn besser funktioniert? Wenn du mehr Wörter aus der ersten Liste wiedergeben konntest, spricht alles dafür, dass du ein auditiver Lerntyp bist. Sind es mehr Wörter aus der zweiten Liste, bist du wohl ein visueller Lerntyp. 

 

Beide Gehirnhälften arbeiten zusammen!

Damit wir unser Gehirn aber optimal nutzen, müssen beide Gehirnhälften vernetzt werden. Zwischen den beiden Hemisphären befindet sich der Corpus Callosum. Das ist eine Brücke, die dafür sorgt, dass jede Information, die von einer Gehirnseite bearbeitet wird auch in der anderen Hälfte landet.

Auf die perfekte Zusammenarbeit der rechten und linken Hemisphäre kannst du einwirken, indem du die Koordination der beiden Seiten immer und immer wieder anregst. Dazu musst du wissen, dass die linke Gehirnhälfte die rechte Körperhälfte motorisch steuert und umgekehrt. In meinem Praxisteil zeige ich dir dazu ein paar tolle Übungen.

Wichtig ist aber auch, dass du dich beim Lernen nicht nur auf deine Schokoladenseite beschränkst, sondern auch die andere Seite aktiv in den Lernprozess einbeziehst. Als visueller Lerntyp solltest du unbedingt auch auditive Methoden nutzen und umgekehrt. Also lerne beispielsweise Vokabeln ab jetzt durch, schreiben, lesen, laut lesen oder stelle dir ein Bild dazu vor. Damit kannst du das Gelernte viel effektiver und langfristiger behalten. Und mit dieser wichtigen Information geht es gleich zum nächsten Thema.

Das Drei-Speicher-Modell

Unser Gehirn ist echt toll. Damit es nicht irgendwann überfüllt ist und gar keine Informationen mehr aufnehmen kann, arbeitet es mit verschiedenen Speichern. Es gibt das Ultrakurzzeitgedächtnis, das Kurzzeitgedächtnis und das Langzeitgedächtnis. Das Gehirn sortiert also Informationen, die unwichtig erscheinen sofort wieder aus, um Platz für Neues zu schaffen. Dinge, die du unbedingt behalten möchtest, müssen daher von dir in das Langzeitgedächtnis transportiert werden.

  • Das Ultrakurzzeitgedächtnis
    Nur wenige Millisekunden bleiben Informationen in deinem Ultrakurzeitgedächtnis. Man nennt es auch Sensorischen Speicher, denn hier werden alle Sinneseindrücke (Sehen, Hören, Riechen usw.) aufgenommen und gefiltert, damit uns die Vielzahl der Reize nicht überfordert. Nur wichtige und sinnvolle Informationen werden weiter verarbeitet.
  • Das Kurzzeitgedächtnis
    Das Kurzeitgedächtnis – auch Arbeitsgedächtnis – genannt, hilft dir bei der Aufnahme von Informationen. Es ist bei allen kognitiven Funktionen wie zum Beispiel Sprechen, Verstehen und Lernen beteiligt. So kannst du dir eine genannte Telefonnummer merken, dir ein paar Punkte von deinem Einkaufszettel einprägen oder ein kurzes Gespräch nach ein paar Minuten noch wiedergeben. Dabei sollte der Merkprozess aber nicht von anderen Informationen unterbrochen werden, da die neuen Angaben die alten verdrängen können. Dein Kurzzeitgedächtnis kannst du übrigens trainieren, damit du immer mehr Informationen hier kurzfristig abspeichern kannst. Wie das funktioniert, zeige ich dir im Praxisteil.
  • Das Langzeitgedächtnis
    Hier sollen alle wichtigen Informationen landen. Du solltest also dafür sorgen, dass alles was du lernst und unbedingt behalten möchtest, den Weg in dein Langzeitgedächtnis findet. Informationen können hier mit unbegrenzter Speicherdauer abgelegt werden. Die Kapazität des Langzeitgedächtnisses gilt als unbegrenzt. Leider neigt der Mensch dazu, Informationen falsch, d.h. nicht ordentlich strukturiert, abzulegen. Damit ist das Wissen zwar in deinem Langzeitgedächtnis, du kannst es aber nicht abrufen. Glücklicherweise gibt es aber Strategien, mit denen du dein persönliches Ablagesystem optimieren kannst. 

Ist Intelligenz angeboren?

Das ist eine sehr spannende Frage. Die Lernforscherin Elsbeth Stern von der ETH Zürich und der Psychologe Aljoscha Neubauer von der Universität Graz sagen beispielsweise, dass unser intellektuelles Potenzial weitgehend angeboren ist. Auch Studien mit Zwillingen, die nach ihrer Geburt getrennt wurden, belegen dass die Intelligenz zu einem erheblichen Teil in den Genen steckt.

Das mag ja zutreffen. Die Intelligenz ist also zu einem gewissen Teil genetisch bedingt. Trotzdem haben wir viele Möglichkeiten, um unseren IQ und unsere Lernfähigkeit zu steigern und bessere Leistungen zu erzielen. Du hast es also selbst in der Hand. Schau dir einmal unsere Übungen zum Thema Konzentration an. Da findest du eine Menge Anregungen, um dein Gehirn auf Vordermann zu bringen.